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DAS ODERBRUCH IM OSTEN BRANDENBURGS

Gerne stellt Bruch Kultur das Buch "Kultur braucht Orte" von Hildegard Vera Kaethner vor.
Es geht um Jahrhunderte alte Gutsanlagen, die heute zu den Kleinoden des Landes gehören. Auf Wegen durch die "brandenburgische Kulturlandschaft" werden Anwesen, die durch großes Engagement wieder zu lebendigen Kulturorten wurden und wertvolle Baulichkeiten, deren Fortbestand gefährdet ist, beschrieben.
Im 3. Teil ihres Buches wird auch auf die Plakatierung an Grundstücken mit gelben Kreuzen als Protestzeichen gegen die CO2-Sequestierung und Abbaggerung von Orten für neue Tagebaue in der Lausitz hingewiesen und plötzlich stellt sich die Frage: "Ist Brandenburg (k)ein Kulturland?"
"Kultur braucht Orte" von Hildegard Vera Kaethner (143 Seiten mit zahlreiche farbige Fotos).  Bestellung zum Preis von 15 Euro über Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! JavaScript muss aktiviert werden, damit sie angezeigt werden kann. mit dem Stichwort - Lausitz Versandkostenfrei.

DIE ENTSTEHUNG DES ODERBRUCHS
Die Stärke eines Staates liegt nicht in der Ausdehnung seiner Grenzen, sondern beruht in seiner Einwohnerzahl. Darum liegt es im Interesse eines Herrschers, die Bevölkerungszahl zu heben.

Die Idee der Trockenlegung des Oderbruchs gehört zum Vermächtnis Friedrich Wilhelm I., dem dieses Unternehmen zu kostspielig war. Sein Sohn, Friedrich II. bewältigt das Mammutprojekt zwischen dem Zweiten und dem Dritten Schlesischen Krieg. Im Juli 1747 beginnen 1600 Arbeiter, darunter viele Soldaten unter Leitung des holländischen Wasserbauers Simon Leonhard von Haarlem und nach Berechnungen des Schweizer Mathematikers Leonhard Euler mit der Begradigung und Eindeichung des Oderlaufes. Überschwemmungen und Sumpffieber, aber auch Widerstände der Einheimischen, die mit Waffengewalt bezwungen werden, behindern immer wieder die Arbeiten.
Im Jahr 1753 ist das große Werk vollendet. 20,3 Kilometer neuer Flusslauf, 32.500 Hektar Land sind gewonnen, bis 1761 werden 33 neue Dörfer gegründet. Kolonisten, die aus Pommern, Sachsen, Schwaben, Franken, dem Vogtland, aus Polen und Böhmen und aus der gesamten Mark kommen, erhalten beträchtliche Vergünstigungen und Steuererleichterungen.

Im Vertrag des Königs mit den Siedlern von Wuschewier im Oderbruch heißt es:
"Wegen dieses von dem Annehmer selbst zu errichtenden Baues und der Rohdung werden demselben Acht Frey Jahre dergestalt bewilligt, daß er bis den letzten Juni 1765 von dieser Nutzung nichts entrichten dürfe. Hiernächst soll er dem Amte Friedland jährlich 15 Handdienste thun, mit der Sense oder nach Verlangen des Amts mit der Harke bey der Heu- oder Getreide Ernte, oder wozu er sonst noch der Wahl des Amts bey den Feldern, Garten und Ackerbau, bestellet wird, bey seiner eigenen Kost und Getränke, mit seinen eigenem Geräte fleißig und getreulich, zu dem Ende er sich mit der Sonnen Aufgang zu den ihr angewiesenen Ort verfüget und beym Untergang der Sonnen davon wieder abgehet, dabei ihm zu Mittagessen eine Stunde Zeit gegeben wird, außer dem aber bey der Sense zum Frühstück eine halbe Stunde und zum Abendbrot eine halbe Stunde."

Die neuen Siedler müssen weniger als ein Zehntel der üblichen Dienste leisten. Dennoch ist der Anfang hart, wie es in einem Spruch jener Zeit heisst:
"Die erste Generation arbeitet sich tot, die zweite leidet Not, die dritte findet ihr Brot."

Bis 1786 machen 300.000 Kolonisten in 50 Dörfern das trockengelegte Oder-, Warthe und Netzebruch zu ihrer neuen Heimat. Mit diesen Maßnahmen wächst auch die Zahl der nicht abhängigen Bauern.

"Hier habe ich im Frieden eine Provinz erobert", lautet der abschließende Kommentar des Königs.

 

Der geschichtsträchtige Ortsteil Quappendorf und Neufeld von Neuhardenberg stehen durch die Namensgebung signifikant für die Geschichte des Oderbruchs.
Der Fisch -
Quappe - als Namenspatron des Dorfes (1413) und das infolge der Trockenlegung des Oderbruchs (1753) fünf Jahre später entstandene Vorwerk Karlsfleiss - später Neufeld - zeigen den damit verbundenen typischen Wandel der Orte vom Fischer- zum Bauerndorf.

2013 wird Quappendorf 600 Jahre alt. Die weltweite Einzigartigkeit seines Namens verdankt dieses Dorf einem eigenwilligen Fisch, der selbst die Eiszeit überlebte: der Quappe (Lota lota)

Quappendorf liegt etwa 70 km östlich vom Berliner Stadtzentrum und 30 km westlich der deutsch- polnischen Grenze. In Neuhardenberg gegenüber des Schlosses und der Schinkelkirche, unmittelbar an der Neuhardenberg Information macht  eine Wegbeschreibung  der einzelnen Stationen auf Quappendorf aufmerksam. Der Quappenwanderweg ist mit dem Fisch "Quappe", dem Namensgeber des Dorfes  ausgeschildert und beginnt auch dort. Mit dem Fahrrad oder zu Fuß wird er an Bärwinkel, wo sich das um 1800 erbaute "Molkenhaus" befindet, vorbeiführen. Es gilt als eines der frühesten Bauwerke des damals 20jährigen und späteren preußischen Oberbaumeisters Karl Friedrich Schinkel.
Der sich über 30 min erstreckende Quappenwanderweg führt am  Friedhof, einem Gedenkstein, am Flugplatzzaun vorbei, bis zur Lindenstraße in Quappendorf, die vor dem  Bau des  Flugplatzes dieses  Dorf  mit  Neuhardenberg  verband.
Mit dem Auto über die Umgehungsstrasse Richtung Letschin erreicht man diese Lindenstrasse vom anderen Ende des Dorfes.
Durch Quappendorf schlängelt sich idyllisch die Alte Oder, die in den Quappendorfer-Kanal vor dem Ortsteil Neufeld mündet.

Vieles hat sich geändert, die Schule am Ortseingang ist jetzt das Gemeindehaus, das Zollhaus selbst vor der Brücke gibt es nicht mehr, aber die Nachkommen des Zollnehmers,  Familie Krüger leben immer noch auf dem von der Alten Oder umlaufenden Gehöft. Nach der "Wende" wurde der Gasthof im Zentrum des Dorfes nicht mehr betrieben. Der Konsum ist von einem Berliner Ehepaar zum Wochenenddomizil umgebaut, und der 2500m² "Vier-Seiten-Hof" aus dem 19. Jahrhundert (Lindenstrasse 14) mit seinem 41 Meter langen Schafstall und zahlreichen räumlichkeiten vom Verein „Kultur auf dem Lande e.V.  zum  "Quappenhof" umgetauft und wird jetzt als Kulturstätte genutzt.  
Lange und bis zur letzten Konsequenz haben die Quappendorfer für die Eigenständigkeit gekämpft. Selbst unter der Monarchie und Diktaturen konnten die Quappendorfer ihre Eigenständigkeit behaupten.
Bekannt ist das Zitat von Bernhard v. Prittwitz (1770) in einen Brief an Friedrich des II gerichtet:

Überhaupt sind die Quappendorfer in der ganzen Gegend, und den allen Menschen bekannt, dass sie nie dasjenige tun, was ihre Schuldigkeit ist.

Mit der Annahmeverweigerung der Klage gegen das umstrittene Reformprojekt Brandenburgs über die Zwangsfusion kleinerer Gemeinden vom Bundesverfassungsgericht 2007, ist dem 130 Seelendorf die letzte demokratische Möglichkeit der Selbstentscheidung genommen worden, trotz eines offiziellen Bürgerentscheides (2001) wo 86,7% der Quappendorfer bei einer Beteiligung von 89% für den Erhalt der Selbstbestimmung ihrer Gemeinde stimmten. 
2006 erklärten die Quappendorfer, die in den Medien gerne als die Gallier von Brandenburg bezeichnet werden, den Innenminister Jörg Schönbohm, gewissermaßen der Vater der Gemeindegebietsreform, öffentlich zur „Persona non grata - zur unerwünschten Person.

Du hast das Schwert getrieben ins Herz der Demokratie
wie viele dir auch dabei geholfen haben,
es war stärker als das Joch der Monarchie.“

Die Chronik von Quappendorf zeigt, wie die Weltgeschichte diesen kleinen Ort überlief und Einfluss auf dessen Entwicklung genommen hat.
Sie enthält aber auch viele kleine Geschichten, die über das alltägliche Leben in dieser ruhigen Region, in welcher heute noch mancherorts die Zeit ein bißchen stehen geblieben scheint, berichten und Ihnen so die gastfreundlichen Menschen näher bringen. Chronikauskunft bei Rolf Ignaz, Fon: 033476-607020.

Hier passiert nur das, was Du selber tust!

Angebote Neuhardenberg - QuappenhofKanustation Zur Alte Oder - Künstler im Oderbruch -

In eigener Sache
Durch das Vorhaben von Vattenfall und der Landesregierung im Oderbruch die Endlagerung von CO2 unter bewohntem Gebiet zu testen, konzentriert sich z.Zt. unser Engagement für den Erhalt des Oderbruchs und dessen Umwelt. Dadurch geraten geplante Projekte etwas in den Hintergrund, sind aber nicht aufgehoben.

Umweltschutz Mahnwache Die Initiative Mahnwache Letschin auch bei Demonstrationen wie in Beeskow, Berlin und Leipzig 

BruchKultur e.V. - vertr. durch Rolf Ignaz gründete das Bündnis "Initiative Mahnwache Letschin" mit der Evangelischen Kirchengemeinde Letschin - vertr. durch Pfarrer Schneider und dem Verein "Wir im Oderbruch" - vertr. durch Mario Forner als Aktions- und Organisationsgruppe für die seit 2010 regelmäßig stattfindende Mahnwache in Letschin, um die Bürger in den betroffenen Regionen über den Verlauf des CCS-Vorhabens zu informieren.

 

Aktualisiert ( Samstag, den 21. April 2012 um 10:55 Uhr )